Kanada Abenteuer 2005

Kanada Abenteuer 2005

Kanada ein Land von Wäldern und Wildnis. Viele denken an Bären, Fischen und endlose Weiten wenn von Kanada die Rede ist. Tauchen; mancher Zeitgenosse würdigt dich mit einem absonderlichen Blick, wenn du dieses Wort im Zusammenhang mit Kanada bringst. Doch wer nicht nur im 28° warmen Wasser mit vielen farbigen Fischchen taucht, für den eröffnet Kanada ein kleines Tauchparadies. Dieses Paradies wollen wir erkunden und uns ganze drei Wochen Zeit lassen um den Zauber von Kanada auf uns wirken zu lassen. Tauchen ist eine der Hauptaktivitäten die wir in Kanada vorhaben. Doch auch das Land und die Leute etwas kennen lernen, steht auf unserer Liste. Wir, die waghalsigen Abenteurer sind Herbert Ballat, Markus Inglin, Rolf Huwiler und unser Reiseleiter und Organisator Norbert Oberholzer. Lassen wir dieses Abenteuer auf uns zukommen und schauen was Kanada für uns bereithält.

Abreise

Am 4. Juni 2005 ging es endlich los. Mit schwer gepackten Koffern fuhren wir morgens früh zum Flughafen. Jeder checkte zwei 32 kg schwere Koffer oder Tauchtaschen ein. Zum Glück ist das Gewicht nach Nordamerika auf 32 kg limitiert und nicht wie sonst auf 20 kg. Als wir unsere schwere Last los wurden, ging es durch die Passkontrolle und nach einem Kaffee zur Lufthansamaschine. Diese brachte uns nach Frankfurt, wo es dann mit der Air Canada weiterging. Nachdem sich die Wolkendecke über dem Atlantik auflockert, konnten wir den ersten Blick auf Kanada werfen. Es ging nicht lange, und wir konnten pünktlich in Montreal landen. Nach dem Ganzen üblichen Prozedere mit Passkontrolle, Gepäckrücknahme und Zoll, konnten wir unseren Mietwagen entgegen nehmen. Nun kann unser Abenteuer „Kanada“ endlich starten. Wir rollten aus dem Parkhaus und nahmen Kurs Richtung Prescott.

Der Obere St. Laurenz-Strom

Die ersten zwei Wochen unserer Kanada-Expedition verbrachten wir in dieser Gegend. Das Ziel war das Betauchen der unzähligen Wracks in diesem grossen Fluss. Bei angenehmen Wassertemperaturen von 19° Celsius, ohne Sprungschicht bis auf 30 Meter Tiefe, kann die herrliche Sicht Unterwasser umso mehr genossen werden. Die Sicht beträgt 20 bis 30 Meter die durch die 3 bis 5 Knoten starke Strömung begünstigt wird. Es gibt aber auch Stellen, wo die Strömung einiges weniger stark ist. Dieser Abschnitt des Stromes ist für seine vielen kleinen Inseln bekannt. Es wird auch, die 1000 Islands genannt. Ob es wirklich tausend Inseln sind konnten wir nicht nachzählen, aber es sind eine ganze Menge. Mag eine Insel noch so klein sein, irgendein Bauwerk steht auf ihnen. Es gibt auch solche die man nicht betreten darf, da sie heilige Orte von den Indianern sind oder unter Naturschutz stehen. Nicht nur diese kleinen Inseln, sondern auch die Untiefen sind sehr heimtückisch für die Schifffahrt. Die Fahrrinne ist sehr eng im Vergleich zur Breite des St. Laurenz-Stroms und schlängelt sich zwischen den Inseln hindurch. Dazu kommen, dass sehr starke Stürme toben können und mehrere Meter hohe Wellen auf dem Strom peitschen. Dies sind einige der Gründe, wieso so viele Wracks den Grund des Laurenz bedecken. Explosionen und Feuer trugen auch das seine bei, das mancher Kapitän sein Schiff an die Fluten des Stroms verlor. Noch heute ist der Strom eine wichtige Verbindung zwischen den Grossen Seen und dem Atlantischen Ozean. Es ist nicht selten, dass ein grosser Frachter am Tauchplatz vorbei zieht. An den Ufern des St. Laurenz säumen sich viele Dörfer und Städte. All diese Ortschaften machen einen verträumten Eindruck, auch wenn sie hunderttausende bis Millionen von Einwohnern haben. Hohe Gebäude findet man selten, dafür viele Einfamilienhäuser mit schönen blühenden Gärten. Dazu kommen noch die Parks, die zum Verweilen einladen und so den Charme dieser Villages abrundet. Diese Ortschaften leben über die Sommermonate sehr stark vom Tourismus. Überall findet man Museen oder historische Stätte wie Forts. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Es hat viele Restaurants mit den typisch kanadischen Gerichten. Das Barbecue, besser bekannt als BBQ, ist das Heiligtum eines Kanadiers. Von T-Bonesteak bis zu Chicken Wings findet man alles auf der Speisekarte. Die unzähligen Pub’s nach klassischem Irischem Stil laden zu einem gemütlichen Gines ein. Die Hauptattraktion ist sicher der St. Laurenz. Rundfahrten zu den Tausend Inseln, Segeln, Kanutouren, Fischen und natürlich Tauchen, all dies ist auf dem St. Laurenz-Strom möglich.

Unterkunft

Wir haben uns im Dewar’s Inn On The River niedergelassen. Dies liegt am westlichen Ende vom verschlafenen Städtchen Prescott. Eine sehr gemütliche und familiäre Herberge mit einem sehr hübschen und ordentlich gepflegten Garten. In diesem schönen Anwesen das am Ufer des Laurenz liegt, findet man diverse schöne Sitzplätze um die Ruhe und das idyllische dahinfliesen des Stromes zu geniessen. Wir beherbergten ein Cottege, also ein kleines Häuschen, das aus einem Wohnzimmer, einer offenen Küche mit Essraum, ein Schlafzimmer und ein Bad mit WC/Dusche bestand. Alle diese Häuschen sind nach einem Thema eingerichtet. Alles rund um Vögel war das Moto, welches unser Cottege schmückte. Diese Gestaltung macht die Räume wohnlicher und man hat kaum das Gefühl in einer Touristenunterkunft zu sein.

Das Wohnzimmer war mit einem Sofa, welches zu einem Bett umgewandelt werden kann, ausgestattet. Gasbetriebene Feuerstellen befanden sich im Wohn- und Esszimmer. Diese konnten über Thermostaten selber in Betrieb genommen werden, wenn das Wetter mal etwas kühler wurde. Auch ein Fernseher mit Satellitenanschluss steht im Wohnzimmer. Die Küche ist mit allem Nötigen eingerichtet. Kochherd, Backofen, Mikrowelle, Kühlschrank mit Gefrierfach, Geschirr und diverse Töpfe und Pfannen. Der eigene Sitzplatz ist mit einem Gasgrill ausgerüstet, wo man sich im kanadischen BBQ-Kultur üben kann.

Tauchen

Man ist richtig gespannt beim ersten Tauchgang im St- Laurenz Strom. In den Ferien in ein tropisches Meer abzutauchen ist fast schon normal. Doch in einem anderen Süsswasserrevier zu tauchen ist speziell. Wird man das gleiche sehen wie zuhause? Was wird anders sein als in unseren Schweizer Seen? Der Tauchshop, bei dem wir die Luft holten und auch die Tauchgänge gebucht hatten, war Sea N’Sky in Brockville. Edie und Kevin sind die Besitzer des Shops. Von Luft bis Trimix kann man alles in seine Flasche füllen lassen. Das Geschäft bietet alle gängigen Artikel für den Taucher zum Verkauf an. Auch wenn mal was an deiner Ausrüstung kaputt geht, hilft Kevin gerne bei der Reparatur.
Doch ihr grösster Stolz ist die Seeway Vision, „das beste Tauchboot auf dem oberen St. Laurenz!“ Das 16 Meter lange Schiff hat eine Kabine mit WC und einer grossen Taucherplattform. Oberhalb der Kabine ist noch ein Sonnendeck, wo es sich zwischen den Tauchgängen schön entspannen lässt. Natürlich ist die Seeway Vision auch mit allen wichtigen Technischen- und Rettungsgeräten ausgerüstet. Doch das grösste ist die hydraulisch absenkbare Plattform am Heck des Bootes. Über diese gelangt man bequem ins Wasser. Über zwei Leitern, welche mit den Flossen besteigbar sind, gelangt man zurück auf die Plattform. Am Morgen um 9 Uhr startete die Ausfahrt zu den Tauchgründen. Die Anlegestelle ist am St. Laurenzpark, der etwas ausserhalb vom Stadtzentrum von Brockville liegt. Die meisten Wracks sind innerhalb 15 Minuten erreicht. Während der Fahrt kann man die Sicht auf die Inseln und das Ufer vom Laurenz geniessen. Manchmal gibt es auch Begegnungen mit etwas grösseren Kähnen als die Seeway Vision ist. Nach dem Anlegemanöver an den Festverankerten Bojen, gibt es ein ausführliches Briefing vom Skipper persönlich. Nach dem alles klar ist, kann man sich tauchfein machen.

Lilli Parson

Eines der schönsten Wracks im oberen St. Laurenz. Der Zweimast Schoner wurde 1868 in Tonawanda im Staate NewYork gebaut. Er beförderte auf seiner letzten Fahrt 500 Tonnen Kohle. Am 5. August 1877 sank die Lilli, nachdem sie einen Felsen rammte. Der Einstieg kann über die Insel erfolgen oder mit einem Sprung vom Boot. Am Ufer liegt der Anker und die Ankerkette versinkt ins Wasser und führt zur Lilli. Wir bevorzugten die zweite Variante. An der Kette hinunter hangelnd, taucht man runter zum Wrack. Die Strömung betrug zwischen 3 und 5 Knoten. Am Wrack angekommen, geht’s zwischen Land und Wrack gegen die Strömung zum Heck der Lilli. Um den Luftverbrauch nicht zu strapazieren zieht man sich am besten am Wrack bzw. Grund entlang vorwärts. Einblicke unter das Wrack erhält man schon auf dieser Seite, wo sich etliche Fische im Strömungsschatten tummeln. Am Ende angekommen ist eine Blechbox am Wrack befestigt wo lauter gefundene Gegenstände gesammelt werden. Am Heck angekommen bietet sich ein schöner Blick auf das Ruder, welches senkrecht empor ragt. Der Baum ragt unter dem Rumpf hervor wo noch eine Umlenkrolle dran hängt. Rechts vom Baum bietet sich eine Öffnung um in das Wrack hineinzutauchen. Bei der Öffnung auf der linken Seite gibt’s noch Überreste von der Boardküche der Lilli. Der Rosthaufen lässt einen eisernen holzgefeuerten Kochherd erahnen. Im inneren liegt die Ladung der Lilli auf dem ganzen Grund verstreut. Die schwarzen Steinkohlebrocken schlucken viel Licht von der Taucherlampe und es bleibt sehr düster im Innern. Beim Heraustauchen gestaltet, das durch Ritzen und Löcher einfallende Licht, ein ganz besonderes mysteriöses Bild.
Mit der Strömung treibt sich’s gemütlich auf der anderen Seite dem Schiffskörper entlang. Einige Unterhöhlungen erlauben einen Einblick unter den Rumpf. Die zwei Masten ragen unter dem Boot hervor ins Blaue des Laurenz. Beim Bug angekommen, kann man sich an der vom Rumpf hinunter hangenden Kette festhalten und wieder zwischen Land und Wrack der Reling entlang tauchen. Nach ein paar wenigen Metern kommt man zur Ankerkette, der einem den Weg zur Oberfläche weist. Je nach Luftvorrat in der Flasche taucht man nochmals zum Heck und macht noch mal eine Runde. Eine andere Variante ist, wenn man sich vom Heck am Ruder vorbei über den Rumpf bis zum Bug treiben lässt. Das Auftauchen erfolgt der Ankerkette entlang bis auf 5 Meter Wassertiefe. Danach lässt man sich von der Strömung treiben. Schwebend mit einem schönen Tempo geht’s über Felsgrund. Nach 5 Minuten kommen gespannte Seile. An den Seilen entlang kommt man bequem in den Strömungsschatten der Insel. Wo auch schon die Seeway Vision auf uns wartet.

Henry C. Daryaw

Ein weiteres eindrückliches Wrack ist die Daryaw. Ein Stahlfrachter der 1919 in Frankreich gebaut wurde. Am 21. November 1941 lief sie bei dickem Nebel auf Grund. Neun Kilometer flussaufwärts von Brockville ging sie in den Fluten unter. Dabei verlor ein Mannschaftsmitglied sein Leben. Sie schlug kopfüber in einem Kanal auf den Grund auf. Dadurch ist der Aufbau sehr stark zerdrückt. Das Schiff liegt mit dem Bug voran in Strömungsrichtung. Nach einer etwas längeren Fahrt Stromaufwärts, bogen wir von der Fahrrinne ab und gelangen zur Boje der Daryaw. Nach dem kurzen Anlegemanöver wurden wir von Kevin instruiert. Die Strömung an diesem Wrack kann sehr stark sein bis zu 5 Knoten. Nach dem Abtauchen an der Bojenleine, gelangt man zum Ruder. Links und rechts türmen sich die grossen Schiffsschrauben auf. Auf der Backbordseite ist eine Leine gespannt, an dem Propeller vorbei runter an das Deck. Dank dieser Leine ist der Abstieg unter das Wrack relativ leicht. Doch die Strömung pfeift ganz schön stark in diesem Kanal. In dieser Strömung tummeln sich ganz locker grosse Zander. Unten angekommen, bietet sich durch eine Luke ein Einstieg in das untere Geschoss des Schiffsaufbaus. Richtung Bug sind drei offene Laderäume, in welche man hinauftauch kann. In den Laderäumen ist die Strömung gleich Null und die Erkundung kann ganz ruhig in Angriff genommen werden. Das Licht unserer Tauchlampen verlor sich im tiefschwarz dieser grossen Räume. An den Wänden entlang tasteten sich Welse, die sich sehr störten an unseren hellen Lampen. Im vordersten Laderaum hat es noch ein paar Luken, die einen Einblick in die vorderen Maschinenräume ermöglichen. Auch ein Aal hat in diesem Laderaum ein zuhause gefunden. Ein Loch ihm Sediment bot im Unterschlupf. Trotz der Faszination darf der Luftvorrat nicht ausser Acht gelassen werden.
Das Ziel ist, bis zum Bug zu kommen. Wiederum eine Leine führt vom Strömungsschatten quer zum Bug auf halbe Höhe vom Rumpf. Mit ein paar kräftigen Flossenschlagen gegen die Strömung kann der Grund vor dem Bug erreicht werden. Auf dem Grund kniend eröffnet sich ein zauberhafter Blick auf den ganzen Bug der Henry C. Daryaw. Zurück lässt man sich an Steuerbord mit der Strömung mitreissen. Im oberen Bereich des Rumpfes sind die Beulen und Risse, die beim Auflaufen entstanden sind, sehr schön zu erkennen. Zur Sicherheit ist am Ende des Wracks horizontal eine Leine gespannt. Diese Fangleine führt rauf zur Schraube und Ruder. Nun beginnt der Aufstieg zur Oberfläche. Festhaltend an der Bojenleine hangelt man sich unbesorgt rauf. Bei diesem Wrack ist ein kleiner Dekostop nichts Besonderes. Die meiste Zeit wird auf ca. 28 Metern Tiefe getaucht. Doch die Pflichtstops sind alles andere als eine Qual. Wenn in das klare Wasser die Sonne hinein glitzert und Kevin schon vom Boot aus einem entgegen grinst, ist dies ein schöner Abschluss eines Supertauchganges!

Ottawa

Die Hauptstadt von Kanada ist allemal eine Reise wert. Vor allem auch um das Ticken einer kanadischen Grossstadt zu erfahren. Wohlgemerkt reicht ein Tagesausflug nicht aus, alle Sehenswürdigkeiten zu besuchen und sich in ruhe anzuschauen. Nach einer stündigen Autofahrt von Prescott aus, erreichten wir Ottawa. Nach dem durchqueren der Stadt, erreichten wir unser Ziel. Der Byward Market ist im beliebtesten Stadtviertel von Ottawa. Jeden Morgen bieten zahlreiche Stände frisches Gemüse, Früchte und Blumen an. Auch Andere Geschäfter säumen die Strassen des Quartiers. Vor allem die vielen Restaurants und Bars machen dies zu der Partygegend von Ottawa. Wenn es eindunkelt über der Stadt, beginnt das grosse Nachtleben. Doch für dies ist es noch zu früh als wir unser Auto im Parkhaus abstellten. Da wir zu früh dran waren, schlenderten wir an den Ständen vorbei und genossen das lockere Treiben dieser Grossstadt. So verging die Zeit im Fluge bis unsere Tourguide’s eintrafen. Heidi und Willi Suter zeigten uns die Hauptstadt. Sie sind vor über 15 Jahren aus der Schweiz nach Kanada ausgewandert und haben nach 5 Jahren die kanadische Staatsbürgerschaft bekommen. Sie leben mit ihren beiden Kindern einige Kilometer von Ottawa entfernt in Alfred. Sie bieten unter „Canada Adventures“ Kanu-, Ski- und Bustouren an. Mit ihnen erlebt man Kanada von seiner „wilden“ Seite.

Doch nun nahmen wir die Tour durch den Grossstadtdschungel Ottawa unter die Füsse. Richtung US-Botschaft, das wie ein Gefängnis umzäunt war, ging es zur National Gallery. Dieses Gläserne Gebäude beherbergt viele Kunstgemälde und Skulpturen. Erst einige Wochen bevor wir ankamen installierten sie eine riesige Spinne vor dem Museum. Nun ging es weiter zum Ottawa River runter zur Rideau Canal Schleuse. Eine Schleusenanlage die 1827 erbaut wurde. Insgesamt sind es 8 Schleusenstufen die 24 Meter Höhe überwinden. Das Ganze ist heute noch in Betrieb und wird auch rege benutzt. Man braucht 1 ½ Stunden bis man alle Stufen durchfahren hat. Das ganze wird von sportlichen Schleusenwärtern noch von Hand betrieben. Nach dem wir über die Treppen auch die 24 Meter Höhenunterschied überwunden hatten, kamen wir zum Parliament Hill.

Auf diesem kleinen Hügel inmitten Ottawa stehen die drei Bauwerke des kanadischen Parlamentes. In den drei neogotischen Gebäuden arbeitet das kanadische Parlament. Der Center Block ist auch für die Öffentlichkeit offen und es werden gratis Führungen angeboten. Auf dem Areal vor dem Center Block kann man jeden Tag Demonstrationen beobachten. Dies ist nicht besonderes, da die Kanadier Weltmeister sind im Demonstieren. Nach diesem Spaziergang machten wir Rast in einem Shoppingcenter, wo wir uns beim Mittagessen wieder stärkten. Frisch und munter gingen wir shoppen. Ausserhalb des Zentrums von Ottawa begutachteten wir einen riesigen Outdoor Laden. Als unsere Kauflust befriedigt war, flanierten wir noch durch das Quartierfest, welches gerade beim Outdoor Laden in Gange war. Gegen Abend zog es uns wieder zurück zum Byward Market. Wir schmausen in einem der unzähligen Restaurants ein gutes Nachtessen. Nun konnte das Nachtleben beginnen. Die Strassen füllten sich mit Menschen und in den Pub’s und Restaurants begannen die Partys. Auch wir nüchteren Schweizer begaben uns in ein typisches irisches Pub. Eine Band brachte mit irischen Songs den Raum zum kochen. Das Gines und Bier floss in Strömen und es wurde spät bis wir uns auf den Heimweg Richtung Prescott machten.

Tadoussac

Am zweiten Wochenende von unserem Kanadaabenteuer reisten wir Richtung Osten. Wir folgten immer schön dem St. Laurenz. Neben den zwei riesigen Städten Montreal und Quebec durchquerten wir auch gottverlassene Wildnis. Natürlich bot uns die 650 km lange Autofahrt auch manchen interessanten Einblick in Kanada. Ab Quebec begann der hügelige Teil der Strecke. Von wenigen Metern über Meer ging es zum Teil steil rauf bis zu 500 Meter. Die Aussicht auf diesen Kuppen war traumhaft. Der Ausblick über das St. Laurenz Delta ist grandios. Als wir Tadoussac erblickten, trennte uns nur noch der Fluss Saguenay von unserem Ziel. Mit der Fähre setzen wir über und bezogen anschliessend unsere Zimmer im Motel Chantmartin.

Tadoussac ist ein idyllisches kleines Dorf welches sich an einem Hügel anschmiegt. Am Fusse liegt eine Bucht mit einem Strand und dem Hafen wo die Walwatching-Boote auf die nächste Tour warten. Das ganze Dorf lebt vom Tourismus. Über die Sommermonate ist Tadoussac das Walbeobachtungs-Mekka. Ein kleines Museum informiert über die Wale deren Umwelt und Schutz hier in Quebec. Als Einstieg zur Walbeobachtung ist der Besuch dieses Museums empfehlenswert. Neben den Walen hat Tadoussac eine über 400 jährige Geschichte vorzuweisen. Für die Ureinwohner war dieser Ort schon eine wichtige Gegend. Später kamen die Waljäger und für manchen Abenteurer begann die Reise in die Wildnis in Tadoussac. Ab 1864 begann der Tourismus mit dem Hotel Tadoussac welches heute noch steht und Gäste beherbergt.

Walwatching

Auch uns zog es, nach dem wir schon vom Land aus Belugas und Minkewale gesehen hatten, mit einem Schlauchboot auf den St. Laurenz hinaus. Am Nachmittag fanden wir uns bei Croisières Dufour ein und bekamen rote Latzhosen und eine Sicherheitsjacke verpasst. Da liess sich das bevorstehende Abenteuer schon erahnen. Alle Passagiere von dieser Tour watschelten mit ihren rot leuchtenden Anzügen zum Zodiac. Beim rausfahren aus der Bucht sahen wir schon weit draussen die weissen Schaumkronen. Es dauerte nicht lange bis die Passagiere auf der Luvseite die volle Gischt der Wellen spürten. Doch auch uns schüttelte es kräftig durch, als das Boot über die Wellen schoss. Nach einer Weile wurde es etwas ruhiger und alle schauten mit Adleraugen ins wogende Nass hinaus. Doch da ein Wal! Doch nach einem genauen Blick in die Wogen, merkte man schnell, dass es nur eine Welle war. Geduld muss man halt schon ein wenig haben. Alle blickten weiter hinaus und liessen sich vom Schaukeln des Bootes nicht irritieren. War das ein Rücken? Gespannt schaut man aufs Wasser ob er nochmals auftaucht. Ja, es ist ein Wal! Alle schauen auf die Stelle wo er schon wieder abgetaucht ist. Es vergehen ein paar Sekunden und man sieht ihn wieder wie er einen tiefen Atemzug holt und für längere Zeit wieder in das kalte Dunkle abtaucht. Nun heisst es warten, ob er wieder an dieser Stelle nach Luft schnappt. Der Bootsführer erklärte uns, dass es sich um einen Minkewal handelt. Ein 7 bis 10 Meter langes Tier, das Leuchtkrebse, Schwarmfische und Kopffüsser auf seiner Speisekarten hat. Die Zeit ist langsam um. Gespannt schaut man hinaus, ob er wieder an die Oberfläche kommt. Siehe da, eine Blaswolke und er ist wieder da. In der dreistündigen Tour sahen wir einige Minkewale, Belugas und einen Blauwal. Trotz etwas ruppigem Seegang konnten wir doch einige Blicke auf die friedlichen Riesen werfen. Ganz trocken blieben wir aber auch nicht. Zwischendurch war es praktisch, wenn man sich gut fest hielt am Boot. Trotzdem haben wir wieder ein interessantes Abenteuer mehr auf unserer Kanadareise erlebt.

Tauchen im Brackwasser

Wenn ein Taucher seine Ausrüstung dabei hat und eine volle Flasche, ist er fast nicht zu halten und er springt in das nächste kühle Nass. Bei uns war es natürlich nicht anders. Als wir am Ufer des St. Laurenzdelta standen, juckte es uns in den Fingern. Was erwartet uns in dem atlantischen Salzwasser? Am besten nicht lange überlegen, ausrüsten, umziehen und ab ins Wasser. Wir entschieden uns beim Centre de Plongée Atlan in der Ortschaft Les Escoumins zu tauchen. Sie liegt mit dem Auto ca. 30 Minuten nordöstlich von Tadoussac. Es ist eine Station von der kanadischen Regierung und schützt das Gebiet um den Fjoird Saguenay. Im Besuchercenter wird über die Wale, Fauna und Flora im St. Laurenz informiert. Es beinhaltet zugleich eine Tauchbasis.

Gegen eine Tagesgebühr kann man hier Tauchen. Wobei die Infrastruktur mit Umziehräumen, Duschen und WC genutzt werden kann. Es ist auch möglich Ausrüstungsteile zu mieten. Auch für den Luftnachschub ist mit einem Kompressor gesorgt. Wir fugten unser Tauchgerödel mit Schubkarren vom Parkplatz runter zum Waschplatz. Rüsteten auf und zogen uns um. Danach ging es mit den Karren noch ein paar Meter weiter zum Einstieg. Über ein paar Stufen und Felsen gelangt man ins Wasser.

Abschied

Leider sind es nur noch drei Tage, bis wir wieder nach Hause fliegen müssen. So verliessen wir Tadoussac und nahmen wieder 650 Kilometer unter die Räder. Über Quebec und Montreal ging es dann Richtung Ottawa. Das Ziel hiess Alfred, der Wohnort der Suter’s. Ein Motel inmitten Alfreds, war für die letzten zwei Nächte unser Nachtlager. Alfred ist ein kleines verträumtes Dörfchen, das mitten auf dem Land liegt. Einige Immigranten haben sich hier niedergelassen vor allem Deutsche und Schweizer. Am Letzten Tag vor dem Rückflug gingen wir noch richtig shoppen. Da die Kleider einiges billiger sind, als bei uns in der Schweiz, deckten wir uns noch mit T-Shirts, Jeans und Schuhen ein. Natürlich wollten wir auch das Feeling vom kanadischen Einkaufen noch erfahren. Das grosse Highlight auf unserer Einkaufstour war der Dollarshop! Dies ist ein Geschäft wo man alles für 1 Dollar bekommt. Preisschilder sucht man vergeben, da ja alles 1 Dollar kostet. Die meisten von uns dachten, dass sowieso alles nur Ramsch ist und nichts Brauchbares in solch einem Laden zu finden ist. Doch wir täuschten uns gewaltig. Ich glaube niemand von uns ging nicht aus dem Laden, ohne etwas gekauft zu haben. Und nicht irgendeinen Gerümpel, sondern Sachen die man brauchen kann. Am Abend waren wir bei Heidi und Willi zum BBQ eingeladen worden. Wir assen sehr gute Steaks und hatten einen tollen und lustigen letzten Abend in Kanada. Doch der Tag des Abfluges kam und wir packten unsere Koffer. Ab Montreal ging’s mit der Air Canada nach Toronto und von dort zurück in die Schweiz. Wir kamen gut und etwas müde in Kloten an.

Posted on: 29. September 2005Markus Inglin